15.02.2010 – Redakteur: Sven
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Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl, als ich das erste Mal „MX vs. ATV Reflex“ einlegte. Denn kurz nach dem Release des neuesten Teils der bekannten THQ-Serie wurden die Rainbow Studios geschlossen, in Zukunft sollen die Mitarbeiter der Spieleschmiede kleinere Titel für das „Playstation Network“ oder „Xbox-Live“ produzieren. Lag es am Misserfolg von dem an sich tollen „Deadly Creatures“ (Wii)? Oder kam „MX vs. ATV Reflex“ in den USA überhaupt nicht an? Wer weiß! Aber ich kann nun sagen, dass es nicht direkt am letzten Spiel des Unternehmens lag, denn das ist im Kern wirklich gut!
Im Großen und Ganzen erfindet „Reflex“ natürlich das Rad nicht neu. Wie schon bei den etlichen Vorgängern und speziell „MX vs. ATV Untamed“ dürft ihr diverse Meisterschaften mit facettenreichen Vehikeln überstehen, zu Beginn eurer Karriere habt ihr aber nur ein 08/15-MX-Bike. Später kommen dicke Trucks, Super-Buggies und ATVs hinzu, die die Rennen deutlich facettenreicher gestalten und sowieso den Reiz der Serie ausmachen. Gut gefallen mir die jetzt aufgeräumten und zeitgemäßen Menüs, schnell wagt ihr euch nach dem Tutorial an die ersten Herausforderungen. Diese sind an sich vielseitig, denn mal müsst ihr schnellstmöglich zur Ziellinie gelangen, ein anderes Mal düst ihr frei durch die Botanik, um an markierten Punkten Aufgaben anzunehmen. Sicher stellt sich nach einigen Stunden die Routine ein, aber ein gewisser Überraschungsfaktor sorgt immer wieder für Motivation und Spaß. Voraussetzung dafür ist eines: Ihr solltet relativ frustresistent sein oder euch alternativ mit der Reihe bzw. dem Genre auskennen. Denn für Anfänger ist der Schwierigkeitsgrad recht hoch angesetzt und von dem simpleren „Pure“ bzw. dem sehr arcadelastigen „MotorStorm“ meilenweit entfernt. Dies liegt u.a. an dem erhöhten Simulations-Anspruch und im Fall „Reflex“ an weiteren Aspekten.
Zugegeben: Die PS3-Version von „MX vs. ATV Reflex“ sieht stellenweise wirklich übel aus, manche Waldlandschaften und Flussbetten erinnern an durchschnittlich gute PS2-Titel. Wie auch schon bei „Untamed“ ist die Ausgabe für die aktuelle Sony-Konsole technisch nicht zufriedenstellend, zumal noch längere Ladezeiten, Slowdowns und PopUps den Gesamteindruck schmälern. Auf der Haben-Seite dagegen sind einige Schauplätze überraschend attraktiv, die meisten Vehikel und Motorräder können sich genauso sehen lassen. Und dass ihr euch frei durch riesige Szenarien bewegen könnt, ist ebenfalls lobenswert, obwohl hier z.B. ein „Fuel“ natürlich flächenmäßig opulenter ausfiel.
Trotzdem verfügt „Reflex“ über einige Besonderheiten, die ihr schnell wahrnehmt. Durch die verwendete „Rhythm Racing 2.0“-Physik-Engine verändern sich die Pisten in Echtzeit, Verformungen bilden sich bei einem starken Befahren von Flächen. Dies erzeugt eine gewisse Dynamik, schließlich sind dadurch manche Hindernisse oder Streckenverläufe nie identisch. Spielerisch hat dies allerdings nicht ganz so viele Auswirkungen, wie es in der Theorie klingt. Denn habt ihr euer Gefährt gut im Griff, macht eine Bodenwelle mehr oder weniger nichts aus. Hier kommen wir zum zweiten Feature, das mir wirklich sehr zusagt. Mittels des namensgebenden Reflex-Steuersystems seid ihr in der Lage, mit dem rechten Analogstick eures Pads den Charakter zum Beispiel in Richtungen zu lenken und somit Fahrfehler durch Körperhaltungs-Korrekturen auszubügeln. Da ihr als Bike und Fahrer unabhängig steuert, entsteht eine überraschende Genauigkeit - sobald ihr dieses Konzept verinnerlicht habt. Schön ebenfalls: Seid ihr kurz davor, auf die Nase zu fallen, könnt ihr bei Darstellung von Richtungsfeilen und Reaktion darauf den Sturz verhindern. Die Idee hinter „Rider Reflex“ ist auf jeden Fall eine wunderbare und ich hoffe, dass diese auch bei anderen Spielen sinnvoll zum Einsatz kommt. Rennen fühlen sich einen Touch intensiver an, zusätzlich führt ihr relativ simpel nette Stunts aus. Diese haben jedoch in der Regel keinen tieferen Sinn, außerdem ist es nervig, dass Ausführ-Kombinationen oft nicht registriert werden.
Gewaltige Überraschungen braucht ihr bei „Reflex“ nicht erwarten. Der eingängige Mehrspieler-Modus bietet sogar Splitscreen-Rennen, richtig zur Sache geht es freilich bei den Online-Kämpfen. Sogar das Erstellen eigener Rennevents ist möglich. Auch hier kommt auf gewisse Weise die Unberechenbarkeit der Spieler perfekt zur Geltung. Denn durch die verschiedenen Fahrzeugtypen, die unzähligen Abkürzungen auf den Kursen und natürlich den eigenen Fähigkeiten können rasante Wettkämpfe noch in den letzten Sekunden vor dem Ziel völlig anders ausgehen als ursprünglich gedacht. Das ist erstaunlich motivierend! Den sagenumwobenen Gummiband-Effekt, der bei vielen anderen Rennspielen für wenig Freude sorgt, gibt es hier einfach nicht in dieser Form. Bei Onlinerennen schon gar nicht, logo!
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