27.05.2008 – Redakteur: Sven
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Gehirnjogging hat meine verrunzelten, grauen Zellen in Wallungen gebracht, nun dürstet es mich nach neuen Herausforderungen. Zum Glück hat Ubisoft mit Mein Wortschatz-Coach ein neues Trainingsspiel parat, mit dem ich endlich mein auf zehn Wörter begrenztes Vokabular verbessern kann. Wunderbar. Wenn ich also das nächste Mal einer Oma über die Straße helfe, rutscht mir kein „Ey, Alde! Mach mal hinne“ über die Lippen, sondern ein „Werte Dame, ich geleite Sie nun über den Boulevard und tanze danach Cha-Cha-Cha mit Ihnen.“. Ja, das klingt aufregend. Aber macht der Wortschatz-Coach wirklich einen intelligenteren Menschen aus mir? Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein.
Das Ziel von Mein Wortschatz-Coach ist wenig überraschend. In Form von ein paar Minispielen sollt ihr neue deutsche Wörter erlernen. Pro Tag wird eine Spielzeit von rund 30 Minuten empfohlen. Überraschend ist hierbei, dass der virtuelle Lehrer nach dem Erreichen einer gewissen Übungszahl tatsächlich vorschlägt, den Nintendo DS abzuschalten und am nächsten Tag weiter zu machen – es würde ja jetzt eh nichts mehr bringen. Ganz richtig ist diese Aussage nicht, denn recht schnell kann man die sechs Herausforderungen frei schalten. Nach rund zwei bis drei Stunden hat man im Grunde alles gesehen und ausprobiert, insgesamt ist der Umfang damit mehr als spärlich ausgefallen. Immerhin sind die Minispiele relativ facettenreich. Bei „Fehlender Buchstabe“ müsst ihr ein Wort mit dem Schreiben eines Buchstaben komplettieren oder korrigieren, bei „Wörter-Wirrwar“ sortiert ihr Begriffe und die dazugehörigen Definitionen. In der „Buchstabensuppe“ sucht ihr nach korrekten Wörtern, in „Geteilte Meinung“ wählt ihr ein Wort anhand einer vorgegebenen Umschreibung aus. Und bei „Panzerknacker“ sollt ihr schneller als der KI-Gegner ein Wort mithilfe eines digitalen Safes buchstabieren. Ein klares Highlight ist „Mauerbrecher“. Im entfernten Tetris-Stil müsst ihr herabfallende Scrabble-Steine durch das Schreiben von vorgegebenen Wörtern verschwinden lassen. Das macht jede Menge Spaß und ist auf definitiv eine witzige Idee. Die restlichen Spiele pendeln dagegen zwischen „ganz nett“ und „ziemlich öde“, immerhin dürft ihr später noch weitere Schwierigkeitsgrade, Endlos-Spielarten und ein paar kleine „Erholungs“-Games aktivieren – genügend Geduld und Motivation vorausgesetzt.
Natürlich bietet Mein Wortschatz-Coach etliche Statistiken und eine integrierte Leistungskontrolle, die euch anzeigt, ob sich euer Ausdrucksvermögen nach einigen Tagen verbessert hat. Natürlich tut es das, wenn ihr stets eine gewisse Anzahl an Spielen gemeistert und genügend Punkte gesammelt habt. Einen komplexen Auswertungs-Mechanismus konnte ich nicht feststellen, aber irgendwie ist es sowieso irrelevant, ob man sich nun Grundschüler oder Abiturient nennen darf. Nicht egal dagegen sind mir die ganzen technischen Mängel. Denn beispielsweise wurde überhaupt nicht an Linkshänder gedacht, was zur Folge hat, dass das Spielen von „Mauerbrecher“ ziemlich unkomfortabel ist, da man hier den Nintendo DS wie ein Buch hält. Genauso funktioniert die Schrifterkennung am besten nur für diejenigen, die mit der rechten Hand Buchstaben zeichnen, ich musste mich beim Schreiben erst einmal umgewöhnen. Ohnehin ist die Schrifterkennung nicht so gelungen wie zum Beispiel bei Gehirnjogging, nicht ohne Grund werden praktische Tipps im Handbuch gegeben.
Doch längst nicht genug: Die Gesamtpräsentation ist zwar soweit solide, aber die Art der Minispiele und die Steuerung unüberlegt. Das Anvisieren der Buchstaben bei „Panzerknacker“ ist sehr lästig, das ständige Hin- und Her-Drücken bei „Geteilte Meinung“ dämlich. Hinzu kommt, dass ihr bei der Auswahl im Hauptmenü nicht die riesigen Buttons, die die jeweiligen Aufgaben symbolisieren, mit dem Stylus betätigen dürft, sondern nur winzig kleine „OK/Start/Weiter“-Schaltflächen, die zudem häufige die Eingabe ignorieren. Insgesamt hinterlässt das komplette Spiel einen absolut lieblosen Eindruck, abgesehen von der löblichen Ausnahme „Mauerbrecher“. Und nüchtern betrachtet haben sich sogar Rechtschreibfehler eingeschlichen, denn das berühmte Eszett existiert nach wie vor in der neuen deutschen Rechtschreibung – nicht immer aber in Mein Wortschatz-Coach. Und bevor ich es vergessen: "Panzerknacker" und "Mauerbrecher" kann man auch im Mehrspieler-Modus gegeneinander spielen. Nur hier braucht jeder der Spieler ein eigenes Modul.
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