19.11.2007 – Redakteur: Andy
Bei einem Spiel wie ´Super Mario Galaxy´ erwartet jeder das perfekte Jump&Run. Aber lasst es euch gleich gesagt sein: Es ist nicht perfekt! Beispielsweise fehlt das Blut, es rollen keine Köpfe und mal ehrlich: Welche praktisch denkende Prinzessin würde sich von einem mittellosen Klempner retten lassen, der nicht mal genug Geld zum Kleidung wechseln übrig hat? Die eine Rasentextur sieht matschig aus, die wenigen Dialoge lassen sich nicht beschleunigen und... und... und, ja überhaupt! Ist doch alles unrealistisch hier, ein Typ mit Schnauzer, der Kopf über auf Planeten herumwandelt. Das ist doch bestimmt jugendgefährdend oder hat irgendjemand mal über die Konsequenzen nachgedacht, wenn das unsere Kinder nachahmen?
Prinzessin Peach wurde von Bowser entführt. Nicht nur das, er klaut gleich ihr gesamtes Schloss mit dazu und flüchtet gen Weltall. Doch Mario erhält unerwartet Hilfe von Rosalina und den Lumas, kleinen Sternenbabys: Dank ihrer kann unser Held von einem Planeten zum anderen reisen, wo er goldene Sterne finden sollte und diese wiederum zum Verfolgen von Bowser notwendig sind. Nur ist der Weg von Start bis Ziel eines jeden Planeten kein einfacher Spaziergang, sondern gespickt mit einem Jump&Run-Parcour nach dem anderen. Klingt alles ein wenig nach ´Super Mario 64´? Ist auch kein Zufall, denn die eigentliche Innovation erschließt sich erst beim Level-Design selbst. Über eine Oberwelt (oder besser ´Oberplanet´) erreicht ihr alle anderen Welten bzw. Planeten. Je mehr Sterne ihr gesammelt habt, desto mehr Ziele stehen euch zur Verfügung. Genauer gesagt gibt es sechs Galaxien, in denen wiederum mehrere Planeten liegen. Während die Oberwelt noch wie ein gewöhnlicher Jump&Run-Level aussieht, definieren viele der Planeten das Wort ´3D´ neu: Oftmals flitzt ihr auf kleinen, kreisrunden Oberflächen, die Gravitation erlaubt es euch mitunter, an Decke oder Wänden spazieren zu gehen. Sowieso stellt sich oftmals die Frage, wo hier überhaupt oben und wo unten ist.
Diese Art der Levelgestaltung ist nicht 100%-ig neu, aber in keinem anderen Spiel wurde es bisher so dermaßen konsequent und liebevoll umgesetzt wie in ´Super Mario Galaxy´. Kein Planet gleicht dem anderen und dank der fabelhaften Steuerung sowie einer meist hervorragenden Kameraarbeit wirkt der Spaß kaum komplizierter als ein Jump&Run mit einem ´gewöhnlichen´ Level-Design. Dazu gesellen sich Abschnitte, welche absichtlich von der Seite dargestellt werden und an alte ´Super Mario Bros.´-Zeiten erinnern sollen. Frei nach dem Motto: Retro und Neuzeit beißen sich nicht.
Wenn ich nun von Planeten rede, meine ich eigentliche keine Planeten im herkömmlichen Sinne, sondern eine Ansammlung von Plattformen und Kugeln. Um von einem Punkt zum nächsten zu gelangen, müsst ihr die Sternenringe nutzen. Dazu reicht ein Rüttler mit der Wiimote und schon saust ihr automatisch durch die Lüfte. Allein dieser Anblick ist jedes Mal herrlich inszeniert und eine Augenweide, obwohl ihr den Kurs nie selbst bestimmen dürft. Die meisten Gegner kriegt ihr durch die übliche ´auf den Kopf Hopserei´ platt, als Alternative steht euch noch die Wirbelattacke zur Verfügung, für die ihr ebenfalls die Wiimote schütteln müsst. Per Tastendruck stampft ihr kräftig auf den Boden auf oder duckt euch zur Abwehr vor Geschossen. Auch die Springerei erinnert schwer an die 3D-Vorgänger, so dürft ihr erneut mit Rückwärtssalto oder Dreifachsprung angeben. Eure Lebensenergie hält drei Treffer aus (bzw. mit Hilfe eines Extras sind es sogar sechs) und wird per Einsammeln von Münzen aufgefrischt.
Wiederum brandneu ist die Idee der Sternenteile, mit denen ihr bestimmte Lumas füttern könnt, um wiederum neue Planeten und somit neue Levels entstehen zu lassen. Diese Sternenteile lassen sich nicht nur durch simples Drüberlaufen einsammeln, sondern auch per Anvisieren mittels Wiimote. Wer besonders multitaskingfähig ist, der springt gemütlich von einem Parcours zum nächsten und sammelt gleichzeitig massig Sternenteilchen ein. Diese können übrigens auch in der Not zur Verteidigung eingesetzt werden: Zielt mit der Wiimote auf einen Gegner, drückt auf einen Knopf und schon schießt ihr ein Teilchen auf euren Widersacher, der danach meist wehrlos gegen eure Hüpfattacke ist.
Ein Mario wäre kein echter Mario, wenn es keine Verwandlungen gäbe. Die definitiv coolste davon ist der Geister-Mario, mit dem ihr einerseits durch Gitterhindernisse schweben könnt, andererseits aber nicht von einem Lichtschein getroffen werden dürft, um euch nicht versehentlich zurück zu verwandeln. Der Bienen-Mario hingegen gibt euch die Möglichkeit, für ein paar Sekunden durch die Lüfte zu fliegen, mit dem Eis-Mario gefriert ihr Wasser zu Plattformen, der Feuer-Mario kann Feuerbälle werfen und abschließend hüpft ihr mit dem Feder-Mario in ungeahnte Höhen. Ständig müsst ihr damit rechnen, eine neue Art der Umgebung steuerungstechnisch irgendwie auszunutzen. Beispielsweise gibt es blaue Greifsterne, an denen ihr euch per ´Bildschirm anvisieren´ heranziehen könnt und quasi mitten im Weltall schwebt, zumindest solange, bis ihr beispielsweise per Stampfattacke wieder zu Boden rummst. Knifflig wird es, wenn ihr von einem Greifstern zum nächsten schweben und einen Sternenring erreichen sollt, der jedoch nicht inmitten der Bahn zweier Greifsterne liegt. Dann müsst ihr quasi auf halbem Wege von Greifstern A zu Greifstern B schnell den Greifstern C anvisieren, um eine Kurve zu schweben. Ebenfalls sehr lustig sind die Klebe-Kokons, die ihr mit der Wiimote nach außen zieht und durch Loslassen Mario in die entgegengesetzte Richtung schleudern.
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